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Leonischer Drahtzug

Leonischer Draht, benannt nach der Stadt Lyon in Frankreich, ist fein gezogener Kupferdraht, der je nach Aufwand verzinkt, versilbert oder vergoldet wird.

Bevor man die Kunst des leonischen Drahtzugs entdeckte, wurden kostbare Gewänder und Textilien mit echten Gold- und Silberfäden bestickt. Die Herstellung war natürlich sehr teuer, so dass diese edle Stickerei dem Adel und der Obrigkeit vorbehalten blieb.

Ausgewanderte Hugenotten brachten im 16. Jahrhundert die Kunst des leonischen Drahtzugs in den fränkischen Raum.

1689 gründete der damalige Bürgermeister, Bierbrauer, Gastwirt und Landwirt Johann Georg Heckel die erste leonische Drahtzieherei in Allersberg. Er stellte dazu den Drahtzieher Konrad Deuerlein ein, der sein Handwerk in Freystadt erlernt hatte.

Das Grundmetall Kupfer wurde in eine zylindrische Form geschmiedet, auf die man die Edelmetalle Gold oder Silber auftrug. Das älteste Verfahren dafür ist die Feuervergoldung mit Blattgold. Die veredelten Metallstangen kamen auf den Schubboden. Mit Hilfe einer Winde, die mit Armkraft von drei bis vier Männern bewegt wurde, zog man das Metall mit Schleppzangen durch immer kleinere Löcher, so dass sich sein Durchmesser ständig verringerte.

Die strohhalmdicken Drähte wurden dann in Heimarbeit von Stückwerkern auf die endgültige Länge und Feinheit gezogen. Dabei wurde der Draht von einer Rolle abgespult, durch ein Zieheisen gezogen und wieder aufgewickelt, wobei oft bis zu 140 Löcher benötigt wurden, bis der Draht seine endgültigen Stärke hatte. Heiße Metalle lassen sich durch immer engere Löcher einer Eisenplatte ziehen und auf diese Weise beliebig dehnen und zu feinsten Drähten ausziehen.

Besondere Sorgfalt musste dabei den sich verjüngenden (konischen) Zuglöchern gewidmet werden, die den Draht auf die nächst mögliche Stärke brachten. Dieser Vorgang musste so oft wiederholt werden, bis der gewünschte Durchmesser erreicht war. Der Einzugskonus durfte nicht zu eng sein, sonst staute sich das Metall; war dieser zu weit, riss der Draht. Das Metall musste ohne Stau die Zuglöcher in den Zieheisen oder Ziehsteinen „durchfließen“ können.

 

Leonischer Draht fand und findet Verwendung bei der Herstellung von Borten und Litzen für Uniformen, Tressen, Bordüren, Schmuck und Fahnen uvm.